Abkühlung durch feinen Wassernebel
Im Hochsommer werden sie vielerorts kurzfristig installiert: Nebelduschen – fachlich Hochdruckvernebelungsanlagen. Unter hohem Druck wird Wasser über feine Düsen zerstäubt und als kühlender Nebel in die Umgebung abgegeben. Die entstehenden kleinen Tröpfchen verdunsten in der warmen Umgebungsluft und entziehen ihr dabei Wärme.
Gerade an stark frequentierten Plätzen, in Fußgängerzonen, auf öffentlichen Plätzen oder vor gastronomischen Betrieben können solche Systeme für kurzfristige Abkühlung sorgen. Mit zunehmenden Hitzeperioden dürfte ihr Einsatz weiter an Bedeutung gewinnen.
Der Wasserverbrauch soll durch die Hochdrucktechnik vergleichsweise überschaubar bleiben. Dennoch bleibt der Einsatz in Zeiten zunehmender Trockenperioden und regionaler Wasserknappheit ambivalent: Während vielerorts zu einem sparsamen Umgang mit der Ressource Wasser aufgerufen wird, wird gleichzeitig Wasser mit hohem Druck vernebelt, um Menschen im öffentlichen Raum Abkühlung zu verschaffen.
Das bedeutet nicht, dass Nebelduschen grundsätzlich infrage zu stellen sind. Angesichts zunehmender Hitzebelastungen können sie durchaus einen Beitrag zur Klimaanpassung leisten. Sie werfen jedoch Fragen auf, die über die reine Kühlwirkung hinausgehen: Wie viel Wasser wird eingesetzt? Woher stammt es? Und unter welchen hygienischen Bedingungen wird es vernebelt?
Wo liegt das hygienische Risiko?
Das Problem ist nicht die Nebeldusche an sich. Entscheidend sind Wasserqualität, Anlagenkonzeption, Betriebsweise und Wartung.
Wird Wasser fein zerstäubt, entstehen Aerosole, die eingeatmet werden können. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass bestimmte wasserführende technische Anlagen unter ungünstigen Bedingungen legionellenhaltige Aerosole freisetzen können. Werden solche Aerosole eingeatmet, können Legionellen schwere Lungenentzündungen verursachen.
Für Legionellen sind insbesondere Bedingungen relevant, unter denen sich die Bakterien vermehren können. Stagnation, ungünstige Temperaturen und mangelnde hygienische Kontrolle können dabei eine Rolle spielen. Das grundsätzliche Risiko ist aus der Trinkwasser- und Anlagenhygiene bekannt – bei einer Anlage, die Wasser gezielt in die Luft einträgt, bekommt die Aerosolbildung jedoch eine besondere Bedeutung.
Nicht jede Nebeldusche ist automatisch ein Gesundheitsrisiko
Eine sachliche Betrachtung ist deshalb wichtig: Aus dem Einsatz einer Nebeldusche lässt sich nicht automatisch auf eine Legionellengefahr schließen.
Entscheidend ist, wie die Anlage geplant und betrieben wird. Dazu gehören unter anderem:
- die hygienische Qualität des eingesetzten Wassers,
- die Vermeidung von Stagnation,
- eine geeignete Anlagenkonstruktion,
- regelmäßige Reinigung und Wartung,
- die Kontrolle wasserführender Komponenten
- sowie ein klar definiertes Hygienekonzept.
Bei technischen Verdunstungsanlagen bestehen in Deutschland bereits konkrete Anforderungen. Für Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme und Nassabscheider schreibt die 42. BImSchV unter anderem eine regelmäßige Überwachung auf Legionellen vor. Hintergrund ist die mögliche Freisetzung legionellenhaltiger Aerosole.
Für kommunale Nebelduschen sind die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen jedoch nicht einfach mit denen von Verdunstungskühlanlagen gleichzusetzen. Gerade deshalb ist eine individuelle hygienische Bewertung des jeweiligen Systems entscheidend.
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Klimaanpassung braucht auch ein Hygienekonzept
Die Diskussion um Nebelduschen steht stellvertretend für eine größere Herausforderung: Der Klimawandel verlangt nach neuen technischen Lösungen zur Anpassung an Hitze – diese Lösungen müssen gleichzeitig hygienisch sicher betrieben werden.
Hygiene sollte deshalb nicht erst dann betrachtet werden, wenn eine Anlage bereits in Betrieb ist. Sie gehört bereits in die Planung, Auswahl und Konzeption eines solchen Systems.
Dabei sollte auch die Frage nach der Wasserquelle Teil der Planung sein. Denn je nachdem, welches Wasser verwendet wird und wie lange es in Leitungen oder Behältern verbleibt, können sich unterschiedliche hygienische Anforderungen ergeben.
Abkühlung ja – aber nicht um jeden Preis
Nebelduschen können bei hohen Temperaturen einen sinnvollen Beitrag zur Aufenthaltsqualität leisten. Gleichzeitig sollte ihr Einsatz ressourcenschonend und hygienisch durchdacht erfolgen.
Denn die zunehmende Hitze stellt Städte vor ein Dilemma: Sie müssen zusätzliche Möglichkeiten schaffen, um Menschen vor gesundheitlich belastender Wärme zu schützen – und gleichzeitig mit Wasser als zunehmend wertvoller Ressource verantwortungsvoll umgehen.
Die Frage sollte deshalb nicht nur lauten: Wie kühlen wir unsere Städte? Sondern auch: Mit welchem Wasser – und unter welchen hygienischen Bedingungen?
Fazit
Nebelduschen können ein Baustein der klimaangepassten Stadt sein. Voraussetzung ist jedoch ein professionelles Hygienemanagement von der Planung über die Inbetriebnahme bis zur regelmäßigen Wartung und Kontrolle.
Wer Wasser gezielt zerstäubt, sollte deshalb nicht nur fragen, wie effektiv die Anlage kühlt, sondern auch, wie sicher sie hygienisch betrieben werden kann.
Klimaanpassung und Hygiene dürfen nicht getrennt voneinander gedacht werden.
Quellen:
www.umweltbundesamt.de/nutzwasser-in-technischen-anlagen
bejola.de/wie-hilft-wassernebel-staedten-bei-der-klimaanpassung/
www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/freiburg/nebelduschen-sprueh-nebel-gegen-hitze-100.html
www.welt.de/iconist/trends/article6a75e74c4aef843a32276678/nebelduschen-wie-spruehnebelanlagen-touristen-und-kuehe-erfrischen.html


