Warum Legionellen typischerweise im Warmwasser auftreten
Legionellen sind Umweltbakterien, die natürlicherweise im Wasser vorkommen. Problematisch werden sie vor allem in technischen Wassersystemen, wenn günstige Wachstumsbedingungen entstehen.
Besonders kritisch sind:
- Temperaturen zwischen 25 °C und 45 °C,
- Stagnation,
- Biofilmbildung,
- geringe Fließgeschwindigkeiten,
- Ablagerungen und Totleitungen.
Aus diesem Grund konzentrieren sich gesetzliche Vorgaben und systemische Untersuchungen bislang überwiegend auf zentrale Trinkwassererwärmungsanlagen. Warmwasserzirkulation, Temperaturhaltung und regelmäßige Prüfungen sollen das Risiko minimieren.
Warum Kaltwasser zunehmend in den Fokus rückt
Die Annahme, dass Kaltwasser grundsätzlich hygienisch unkritisch sei, gilt heute nicht mehr uneingeschränkt. In vielen Gebäuden werden Temperaturen im Kaltwassersystem erreicht, die deutlich über den empfohlenen 20 °C liegen.
Ursachen hierfür sind unter anderem:
- schlecht getrennte Warm- und Kaltwasserleitungen,
- unzureichende Dämmung,
- hohe Umgebungstemperaturen,
- geringe Wasserentnahme,
- lange Leitungswege,
- moderne, stark gedämmte Gebäude,
- Wärmeeinträge aus Technikräumen oder Schächten.
Steigt die Temperatur im Kaltwasser dauerhaft an, können sich auch dort Legionellen vermehren. Untersuchungen zeigen, dass dies längst kein theoretisches Problem mehr ist.
Moderne Gebäude verändern die hygienischen Anforderungen
Insbesondere energieeffiziente Gebäude stellen neue Herausforderungen an die Trinkwasserhygiene. Durch kompakte Bauweisen, geringe Wärmeverluste und komplexe Installationssysteme kann sich Kaltwasser stärker erwärmen als früher.
Hinzu kommt ein verändertes Nutzungsverhalten:
- Homeoffice,
- Teilbelegung,
- selten genutzte Entnahmestellen,
- längere Stagnationszeiten.
Dadurch entstehen Bereiche mit ungünstigem Wasseraustausch und erhöhtem mikrobiologischen Risiko.
Die klassische Trennung zwischen „kritischem Warmwasser“ und „unkritischem Kaltwasser“ wird dadurch zunehmend infrage gestellt.
Bedeutet das, dass Kaltwasser generell untersucht werden muss?
Eine generelle Verpflichtung zur systemischen Untersuchung von Trinkwasser kalt besteht derzeit nicht. Dennoch gewinnt ein risikobasierter Ansatz zunehmend an Bedeutung.
Fachleute empfehlen insbesondere dann weitergehende Untersuchungen, wenn:
- Kaltwassertemperaturen dauerhaft erhöht sind,
- Auffälligkeiten im System auftreten,
- hygienische Probleme bekannt werden,
- sensible Nutzergruppen betroffen sind,
- komplexe oder große Anlagen betrieben werden.
Im Mittelpunkt steht dabei weniger die Frage „Warm oder Kalt?“, sondern vielmehr:
> Entstehen Bedingungen, unter denen sich Legionellen vermehren können?
Prävention bleibt entscheidend
Unabhängig von gesetzlichen Vorgaben ist die hygienische Planung und der fachgerechte Betrieb der Trinkwasserinstallation entscheidend.
Wichtige Maßnahmen sind:
- konsequente thermische Trennung,
- kurze Leitungswege,
- ausreichender Wasseraustausch,
- Vermeidung von Totleitungen,
- fachgerechte Dämmung,
- regelmäßige Nutzung aller Entnahmestellen.
Nur wenn Kaltwasser tatsächlich kalt bleibt und Warmwasser ausreichend warm geführt wird, lassen sich hygienische Risiken langfristig minimieren.
Fazit
„Legionellen nur im Warmwasser“ ist heute nur noch teilweise richtig. Zwar bleibt Warmwasser der klassische Risikobereich, doch moderne Gebäudestrukturen und veränderte Betriebsbedingungen führen zunehmend dazu, dass auch Kaltwasser hygienisch relevant werden kann.
Die Diskussion zeigt deutlich: Nicht die Art der Leitung entscheidet über das Risiko, sondern die tatsächlichen Bedingungen im System. Temperatur, Stagnation und Betriebsweise spielen dabei die zentrale Rolle.
Quellen:
www.dvgw.de/medien/dvgw/forschung/berichte/ewp2005-korth.pdf
www.die-legionellengutachter.de/legionellen-im-kaltwasser
www.sbz-online.de/sanitaer/trinkwasserhygiene-legionellen-so-wird-kaltwasser-nicht-zum-problem
www.dgwz.de/trinkwasserhygiene-legionellen-pwc


