Der durchschnittliche Pro-Kopf-Wasserverbrauch ist seit 1990 von 147 auf ca. 120 Liter pro Tag gesunken. Effiziente Armaturen, Spülkästen und Haushaltsgeräte haben den Frischwasserbedarf reduziert. Doch was für die Trinkwasserreserven gut ist, wird zum Problem für die Abwasserentsorgung, die auf ausreichenden Wasserdurchfluss angewiesen ist, um hygienische Standards zu gewährleisten.
Hygienische Probleme durch reduzierte Fließgeschwindigkeit
Das Kanalnetz wurde für höhere Wassermengen konzipiert, die eine selbstreinigende Fließgeschwindigkeit sicherstellen. Bei geringerem Durchfluss sinkt diese Geschwindigkeit drastisch. Dies hat direkte hygienische Auswirkungen:
- Ablagerung von Fäkalien und organischen Stoffen: Die verringerte Fließenergie reicht nicht mehr aus, um feste Bestandteile wie Fäkalien, Toilettenpapier und Essensreste zuverlässig abzutransportieren. Diese Stoffe lagern sich in den Rohren ab.
- Verstärkte Geruchsbildung: Stagnierendes Abwasser und sich zersetzende organische Ablagerungen sind ideale Brutstätten für geruchsintensive Bakterien. Schwefelwasserstoff und andere Faulgase entstehen, die nicht nur unangenehm sind, sondern in höheren Konzentrationen auch gesundheitsschädlich sein können und die Bausubstanz der Kanäle angreifen.
- Potenzielle Keimverbreitung: Die Ablagerungen bieten zudem einen Nährboden für pathogene Keime und Mikroorganismen. Bei Rückstau oder Überschwemmungen können diese Keime an die Oberfläche gelangen und ein hygienisches Risiko darstellen, insbesondere in dicht besiedelten Gebieten.
- Verstopfungen durch Fremdstoffe: Das reduzierte Wasservolumen verschärft das Problem der unsachgemäßen Entsorgung von Hygieneartikeln (Feuchttücher, Wattestäbchen, Windeln). Diese Stoffe bleiben leichter hängen, bilden große Verklumpungen und führen zu massiven Verstopfungen, die den Abwasserfluss komplett blockieren können.
Folgen für Kommunen und Bürger
Die hygienischen Probleme führen zu einem massiv erhöhten Reinigungs- und Wartungsaufwand für die Kommunen. Häufigere Spülungen und aufwändige Beseitigungen von Verstopfungen verursachen Mehrkosten, die sich in höheren Abwassergebühren niederschlagen. Im Falle eines Rückstaus kann das Abwasser in private Haushalte zurückgedrückt werden, was nicht nur Sachschäden, sondern auch erhebliche Gesundheitsrisiken und aufwendige Desinfektionsmaßnahmen nach sich ziehen kann.
Quellen:
klaerwerk.info/nuetzliches/allgemeine-meldungen-und-berichte/die-kehrseite-der-sparsamkeit/
www.focus.de/panorama/verstopfte-kanalrohre-in-hessen-deutsche-verbrauchen-viel-zu-wenig-wasser_id_3927019.html


