Das „Sick Building Syndrom“ – Wenn Gebäude krank machen

Können Gebäude krank machen? Seit den 1970er Jahren häufen sich gesundheitliche Probleme, die mit dem Aufenthalt in Innenräumen in Zusammenhang gebracht werden konnten. Typische Betroffene sind Büroangestellte, die über ständige Müdigkeit, Konzentrationsschwächen, Kopfschmerzen, juckende Augen oder verstopfte Nasen klagen, wobei sich die Beschwerden bei Verlassen des Arbeitsplatzes, am Wochenende oder in den Ferien deutlich bessern bzw. verschwinden. Die Weltgesundheitsorganisation fasste bereits 1983 Beschwerden, die beim Aufenthalt in Gebäuden entstehen, unter dem Begriff „Sick Building Syndrom“ (SBS) zusammen. Auch wenn die Studienlage zum SBS sehr gering ist, gehen Forscher davon aus, dass nach Schätzungen von allen Büroangestellten in Industrienationen 20-30% unter Innenraumbeschwerden leiden.

Unspezifische Beschwerden, unklare Ursachen

Dabei sind nicht nur die Beschwerden zumeist unspezifisch, auch die Ursachen scheinen vielfältig und konnten bisher in Studien nicht klar bestimmt werden. Neben mangelnder Lüftung, unzureichender Hygiene bei raumlufttechnischen Anlagen gelten eine Belastung der Luft mit Schadstoffen wie flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) oder der Befall mit Mikroorganismen als mögliche Gründe für das Sick Building Syndrom. Studien zeigten zudem physikalische Einflüsse wie Schall bzw. Lärm und schlechte Beleuchtung sowie psychische Faktoren wie Stress, Arbeitsüberlastung oder Mobbing am Arbeitsplatz als ursächlich für das SBS. Bestehende Allergien und Rauchen sind zusätzliche Risikofaktoren.   

Abgrenzung zur „Building Related Illness“

Können allergene, mikrobielle oder chemische Belastungen klar als Ursache für die Entwicklung gebäudebezogener Erkrankungen benannt und klar definierte Krankheitsbilder als Folge von innenraumbezogenen Gesundheitsstörungen ausfindig gemacht werden, spricht man dagegen von der Building Related Illness (BRI). 

Beispiele dafür sind Legionella-Infektionen, berufsbedingtes Asthma oder Inhalationsfieber. Schlecht gewartete, verkeimte Warmwasseranlagen oder Klimaanlagen stellen oft den idealen Nährboden für die durch Legionellenbakterien verursachte Legionärskrankheit (Legionellose oder Legionellen-Pneumonie) dar, eine schwere Form der Lungenentzündung. Befeuchterlunge und Befeuchterfieber können ebenfalls durch mangelhaft gewartete Befeuchtungsanlagen verursacht werden. Auch typische Innenraum-Allergien wie beispielsweise allergische Reaktionen auf Hausstaubmilben oder Schimmelpilze zählen zu den gebäudebezogenen Krankheiten. 

Risiken minimieren

Da die Ursachen und die Beschwerden beim SBS oft komplex und sehr schwer zu fassen sind und die Studienlage nicht eindeutig, besteht auch hinsichtlich der Prävention eines SBS keine klare Datenlage. Zu finden sind jedoch auf praktischen Erfahrungen basierende Empfehlungen zur Risikominimierung von SBS-Problematiken, dazu zählen (nach Neuhann und Wiesmüller 1994):

  • ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und -nutzung
  • regelmäßige Reinigung des Gebäudes
  • regelmäßige Reinigung und Wartung der RLT-Anlage
  • „freie“ Beeinflussung des Raumklimas durch die Nutzer des Gebäudes
  • Durchführung von Nichtraucher-Programmen
  • Minimierung relevanter Fremdstoffe in der Innenraumluft
  • Ernstnehmen der subjektiv empfundenen Raumluftqualität
  • Ernstnehmen der gesundheitlichen Beschwerden der Nutzer des Gebäudes
  • adäquate fachärztliche Diagnostik und arbeits- bzw. umweltmedizinische Betreuung von erkrankten Nutzern des Gebäudes
  • Transparenz bei Planung, Durchführung und Bewertung von Maßnahmen zur Feststellung und Behebung gebäudebezogener Gesundheitsstörungen

Fazit: Gebäudebezogene Gesundheitsstörungen ernst nehmen

Auch wenn die Ursachen für das „Sick Building Syndrom“ oft unklar und multifaktorell sind, können Gebäude bzw. das vorherrschende Raumklima große Risikofaktoren für die menschliche Gesundheit darstellen. Wer also beim Aufenthalt im Büro immer wieder unter Irritationen der Schleimhäute, Müdigkeit, Kopfschmerzen leidet, sollte sich mit seinen Arbeitskollegen austauschen, um ähnliche Beschwerden aufzudecken. Im Verdachtsfall sollten wohl eine Untersuchung der gesamten Belegschaft eines SBS-verdächtigen Gebäudes erfolgen, eine genaue Inspektion der technischen Anlagen sowie Messungen zur Analyse der Raumluft zum Einsatz kommen.  


Quellen:

bsafb.de/media/pa4_6_2006_gebaeudebezogene_gesundheitsstoerungen.pdf

www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/belastung-des-menschen-ermitteln/umweltmedizin/sick-building-syndrom

www.bad-gmbh.de/glossar/show-term/sick-building-syndrom/

www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesund-leben/umwelt-und-gesundheit/wohngifte/wohngifte-und-gesundheitliche-beschwerden/gebaeudebezogene-krankheiten.html

www.msdmanuals.com/de-de/profi/lungenkrankheiten/umweltbedingte-lungenerkrankungen/geb%C3%A4udebezogene-erkrankungen

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